Die Restekiste und das Impulsverhalten

  • Moin zusammen, bevor ich zum eigentlichen Anliegen komme, eine kleine Entstehungsgeschichte:

    Ein befreundetes Pärchen hatte Mitte des Jahres einen Polterabend und die brauchten recht kurzfristig noch irgendeine Form von Beschallung, die im Garten nicht akustisch verhungert. Das hat dazu geführt, dass ich meinen Keller inspiziert habe und fix (in 5 Tagen vor und nach der Arbeit) dem Eminence Kappa 12A und dem Oberton D2544 am RCF H100 Horn ein neues Zuhause spendiert habe. Bausatz war D2544-K12 von Strassacker. Chassispositionen und Weiche sind original geblieben, der Kappa 12A hat allerdings eine nach unten verlängerte Schallwand und 80Liter Luft im Rücken spendiert bekommen. Was mich an einem Abend wirklich Zeit gekostet hat, war ein defekter Hochtöner. Die Lötstelle am Übergang vom Anschlussterminal zur Spulenzuleitung war kalt und hatte richtig Lust mich fast verzweifeln zu lassen. Es hat eine ganze weile gedauert, bis ich den Fehler des zufällig agierenden Übergangswiderstandes gefunden hatte, genauso nervig war es diese Stelle wieder korrekt zu verlöten.

    Nun geht des Kiste nochmal an den Kragen, die Originalweiche war nämlich nur mit heftigem Eingriff per DSP in den griff zu bekommen.

    Was mir bei der Entwicklung etwas Kopfschmerzen bereitet ist das Impulsverhalten des Kappa 12A, seine Impulsantwort ist nämlich auch im Nahfeld länger, als ich mein Messfenster bei 1 Meter Abstand setzen könnte. Dabei stell sich folgendes Problem: Bei kleinem Messfenster um 3ms sind die Reflektionsartefakte zwar recht gering, allerdings wird das Messfenster im Bereich einer Störung um 500Hz recht unscharf, so dass ich keine gewissenhafte Entzerrung vornehmen kann. Bei einem größeren Messfenster muss ich scheinbar etwa gezappel in kauf nehmen, kann die Störung dafür aber gut sehen.
    Der Kappa 12A misst sich generell etwas zappelig, auch was Impedanzen angeht, einen Defekt schließe ich aus, die messen sich beide ziemlich gleich, auch die TSP "> TSP stimmen noch.
    Einzig und allein die stehende Welle knapp über 200Hz ist der Konstruktion ohne IHA geschuldet, auch wenn die Kiste gut bedämpft ist - Noppenschaumstoff an den Wänden und ein ordentlicher Batzen Polyesterwatte direkt hinter dem TMT.

    Mangels Erfahrung mit solchen Thematiken, fällt es mir schwer zu entscheiden, ob ich noch Maßnahmen ergreifen sollte, und wenn ja welche? Insgesamt läuft die Simulation zwar recht zappelig, aber diese sind halt recht schmalbandig und reißen nicht besonders weit von der gedachten Mittellinie aus.
    Bisher konnte ich nur mit zwei Messfenstern in paralleler Verwendung einigermaßen sauber arbeiten - auch wenn ich mir fest vorgenommen habe nicht zu vergessen, dass es "nur" eine Resteverwertung ist, möchte mein innerer Monk das auseinanderfrimeln.


    Impulsantwort auf 1Meter:


    Impulsantwort im Nahfeld:


    Impulsantwort des Hochtöners (Als Referenz):

    Der Gründlichkeit halber poste ich noch das unbeschaltete Chassis (Gate bei 4,5ms - bemessen an der Erstreflektion vom Hochtöner), ihre Impedanzen und bisherige Simulation.




    Nahfeldmessung des Tieftöners (zeigt die Störung um 500Hz auch sehr gut):


    Impedanz: Eingebautes Chassis (misst sich auch etwas zappelig)

    Impedanz: Freiluftmessung (Etwas gezoomed, damit man die Störungen gut erkennen kann)


    Weitere Infos kommen im zweiten Post.

    3 Mal editiert, zuletzt von wBo93 (18. Dezember 2024 um 20:56)

  • Meine (recht überschlägige) Zeichnung, Maße stimmen alle, Bassreflexrohre sind auf der Rückseite:

    Hier zwei Simulationen mit 4,5ms Fenster und 3ms Fenster, wie Zielführend diese sind sei erstmal dahingestellt. Ingesamt scheinen ist zwar etwas zappelig, aber die Amplituden der Ausreißer halten sich in einem recht schmalen Schlauch.


    Ich hoffe, dass hier irgendjemand etwas findet, was ich einfach übersehen habe...

    2 Mal editiert, zuletzt von wBo93 (18. Dezember 2024 um 20:50)

  • Nein auf dem Boden stand sie nicht, ich habe hier eine alte „Kiste“ aus Marmor. Damit habe ich das Gehäuse angehoben.

    Die wird wohl mal für ein Hifi Gerät gedacht gewesen sein, da habe ich die Box einfach drauf gestellt. Die höhe das Tieftöners im Raum liegt bei etwa 115cm. Der Mittelpunkt zwischen TMT und HT ist so etwa in der Mitte zwischen Decke und Boden.

  • Ok, daran sollte es nicht liegen. Das ist gut so. Leider kann ich das Fenster bei REW nicht deuten. Da bin ich leider keine Hilfe. Der Impuls und die Reflektion sehen für mich auch seltsam aus. Ich weiß aber noch nicht, was mich da stört. Mach bitte mal ungefensterte Nahfeld- und Portmessungen.

  • Hier sind beide Bassreflexkanäle und die Nahfeldmessung vom TMT:

    Edit: Der Schlingel zwischen 30Hz und 40Hz könnte ein Artfakt vom Raum sein - ein Fenster von 100ms (also einer unteren Grenzfrequenz von 10Hz) erledigt ihn, wobei ich sowas bei einer Nahfeldmessung auch noch nicht gehabt habe.
    Allerdings habe ich mir bei leichteren Exemplaren auch immer die Mühe gemacht, den Bassreflexkanal ebenfalls für die Messung in der Raummitte zu platzieren, wenn es irgendwie möglich war.

    Einmal editiert, zuletzt von wBo93 (18. Dezember 2024 um 23:52)

  • Nicht ungewöhnlich, wenn auch nicht toll. Bei ca. 500 Hz gibts Unruhe. Das könnte an Reflektionen zwischen den Seiten bzw. Front- und Rückwand liegen. Die Dimensionen passen knapp unter und knapp über 500 Hz. Die Messung wirkt insgesamt etwas zappelig. Irgendwas scheint irgendwo zu einer Reflektion bei der Messung zu führen. Stell die Kiste für erneute Messungen mal 10cm tiefer oder höher. Sowas hatte ich auch schon.

  • Ich habe mir über den Tag verteilt ein wenig Gedanken gemacht und möchte folgende Vorgehensweise umsetzen, wenn auch vermutlich erst nach den Feiertagen.


    IHA:

    Auf dem Bild ist ein Brett in der Ecke zu sehen (eingezeichnet in Rot), mit einer runden Öffnung von 150mm, bei einer Länge der Katheten von 230mm und einer Tiefe des Prismas von 312mm komme ich im Endeffekt auf 8,25 Liter Volumen, was in etwa 10% des Innenvolumens entspricht. Abgestimmt ist der Resonator auf die gemessene Spitze bei 214Hz, die in den Nahfeldmessungen der Bassreflexrohre sichtbar ist.

    Frage hier zu: Ich habe noch keinen IHA in dieser Form positioniert, muss ich hier mit Problemen rechnen oder evtl die Öffnung an eine andere Stelle legen?
    Normalerweise sollte die IHA so gut funktionieren.

    Der Tieftöner ist hier mit deutlichem Aufmaß in Rot gestrichelt eingezeichnet, um sicher zu gehen, dass es nicht zu mechanischen Kollisionen kommt.

    Das Brett werde ich dort als ganzes natürlich nur schwierig rein bekommen, daher werde ich das vermutlich zweiteilig ausführen.

    Messposition Optimieren:

    Nach dem der IHA eingebaut ist möchte ich Messposition (hauptsächliche in der Höhe) variieren, sowie Alex es empfohlen hat.

  • Der IHA soll ja die stehende Welle zwischen Boden und deckel eliminieren. Ich könnte mir vorstellen, dass er so positioniert nicht richtig arbeitet.

    Zu deinem Messfenster habe ich mir nochmal Gedanken gemacht. Den Impuls finde ich irgendwie sehr seltsam. Bei HT sieht er so aus, wie ich es kenne. Hier mal ein Impuls eines TMT, den ich mit ARTA eingefangen habe. Da sieht man deutlich den ersten kräftigen Impuls, dann eine Weile nichts und dann die erste Reflektion. Bei deiner Messung ist das alles ein Brei, ohne klare Abgrenzung zwischen erstem Impuls und erster Reflektion. Irgendwie will das nicht in meinem Kopf einrasten. So sieht das bei mir aus:


  • Das ist auch das, was mich an der Impulsmessung stutzig macht, das hier sind Messungen vom SB13PFCR25-8 und dem Peerless SDS-830656. Da sieht man auch deutlich, wann der Impuls vom TMT endet ist und wo die Reflektion anfängt.
    Der Kappa 12A ist auch beim "Klopftest" recht auffällig, gerade dann wenn man die Schwingspule nicht kurzschließt, schwingt die Pappe wirklich hörbar lange nach.

    Ich kann nicht beurteilen, ob der IHA so richtig arbeitet. Ich könnte die Öffnung noch etwas weiter nach oben legen, damit sie weiter im Druckknoten liegt.


    Ich häng nochmal die TSP "> TSP Messung an:

    Vergleich mit den Werkstsp in der Simu:

  • So eine ähnliche Impulsantwort hatte ich kürzlich auch bei 10" PA-Koaxen. War nicht ganz so verzappelt bis zur ersten Reflexion, aber schon vergleichbar.

    Ganz so glatte Impulsantworten wie bei dir Alex bekomme ich bei mir in der Garage auch nicht hin. Muss ich nächstes mal festhalten und hier mal zeigen.

    Ich konnte mir das neulich auch nicht richtig erklären, aber die Messungen sahen mit ~4ms Gate so aus, wie ich das erwartet habe, deshalb hab ich nicht länger drüber nachgedacht.

    Kann es sein, dass durch große (Papp-)Menbranen Reflexionen von den Innenwänden des Gehäuses oder gar vom Chassiskorb im Impuls sichtbar werden? Vielleicht auch Schwingungen vom Gehäuse?

    Viele Grüße,
    Oli

  • Du nennst die Kiste "Restebox". Inwieweit siehst in diesem Zusammenhang ein Umfrickeln des Gehäuses in anderer Hinsicht als vertretbar an? Wenn du nämlich die derzeitigen Portöffnungen mit je zwei passend gefrästen Scheiben verschließt und die Ports auf halber Höhe des TT Abteils, also auf 33cm Höhe, positionierst? Das hätte zur Folge, dass sich die Ports im Schnellemaximum befänden, was zu folgendem Ergebnis führt:

    Insgesamt führt das auch zu einer Störung, die aber deutlich verschmerzbarer ist. Oberhalb des Darstellungsbereichs bilden sich natürlich auch noch Resos, die sich aber durch ihre deutlich kürzeren Wellenlängen mit Dämpfung deutlich einfacher bekämpfen lassen, als die tieffrequente Störung bei etwa 250 Hz. Mit einer alternativen Chassisposition könnte man das noch in Maßen optimieren, aber das hätte eine Neukonstruktion des Gehäuses zur Folge. Das ist es nicht wert...

  • Die Bassreflexrohre nach oben zu versetzen ist ein guter Punkt, leider macht es den Anschein als würde den Beiden dann die Verstrebung in die Quere kommen, selbst wenn ich sie weiter auseinander ziehe, wird das eine frickelige Nummer. Rohre mit geringerem Durchmesser werden dann vermutlich zu lang.

    Ich behalte diesen Ansatz im Hinterkopf, würde ihn aber als letzte Option in Betracht ziehen, da er mit den meisten Änderungen verbunden ist, wenn ich das einigermaßen vernünftig machen möchte.

    Ich werde erst ein wenig mit der Bedämpfung experimentieren, und diese evtl. gezielter platzieren, um zu gucken wo ich da optimieren kann.
    Dann werde ich den IHA in der Ecke testen, den kann ich, wenn er Wirkungslos sein sollte, auch wieder entfernen. Sollte er die stehende Welle tatsächlich entschärfen, bleibt er drin.
    Wenn nichts davon zufriedenstellende Ergebnisse liefert, dann werde ich die Verstrebung versetzen, verkleinern oder sonst wie anpassen, um die Bassreflexrohre nach oben zu versetzen.

    Das ganze führt so neben einer sicheren Verbesserung des derzeitigen Zustands hoffentlich noch zu dem ein oder andere Erkenntnisgewinn.

    Ich danke euch für die Hinweise und Ratschläge, ich versuche euch auf dem Laufenden zu halten.

  • Du hast einen falschen Gedanken im Kopf, denn Je geringer der Querschnitt, desto kürzer werden die Ports. Du kannst auch längere Ports nehmen und diese diagonal kürzen, so dass die halbe Diagonale die korrekte bildet. Die Ports sind dann gleichzeitig etwas zu kurz und zu lang. Das verschmiert den Effekt und kann das Problem reduzieren.

  • Du hast natürlich völlig recht, da stand ich mir wohl eher selbst in der Quere.


    Ich bin etwas verwirrt heute 😂


    Auf 70er oder 80er Rohre sollte ich für Hifi-Zwecke ausweichen können und die sollten auch mit der Verstrebung passen - ohne dass ich da wild rumfrickeln muss.

    Das mit dem IHA probiere ich aber trotzdem mal, mich interessiert, ob der in dieser positionierung akzeptabel funktioniert.

  • Da ich heute ein wenig Zeit finde konnte, habe ich schonmal etwas mit der Bedämpfung herumexperimentiert. Am Boden, also unterhalb der Bassreflexkanäle, befindet sich nun eine etwa 6cm dicke Lage aus Noppenschaumstoff, übrige Portnahe Wände habe ich auch etwas großzügiger Bedämpft - stehts so, dass die Ports selbst frei bleiben.

    Die Menge an Polyesterwatte hinter dem Tieftöner habe ich ebenfalls erhöht.
    Wobei ich auch hier zur Reste-Edition vom Bedämpfungsmaterial gegriffen habe, das größtenteils lose Polyesterwatte(-stücke) enthält.
    Das wird quasi als Polyesterballen von einem Fliegengitter zusammen gehalten und einfach hinter dem Tieftöner platziert.
    (Wobei ich diese recht spontan entstandene Idee gar nicht mal verkehrt finde, man wird nicht nur seinen Verschnitt los - es funktioniert auch recht gut.)

    Der Einfluss auf die Nahfeldmessungen ist gut sichtbar, die Impulsantwort hat sich quasi gar nicht verändert.

    Die andere Schritte kommen dann vermutlich im Januar, wenn ich dann auch endlich mal Urlaub habe.

  • So, der IHA ist in der Ecke installiert. Diesesmal sind die Ports vom Pegel her skaliert (-8,2db für jeden Port bei einem Flächenverhältnis von 78cm² pro Port zu 519cm² SD).

    Ich hab es mir angetan, die einzelnen Schritte messtechnisch zu dokumentieren, auch wenn es sich recht schwierig gestaltet einen wirklich identischen Messaufbau wiederherzustellen - der Einfluss der Maßnahmen auf die Störstellen ist aber ohne weiteres gut zu erkennen.
    Auf den Impuls hatte keine der Aktionen signifikanten Einfluss. Für einen besseren Vergleich habe ich die Pegel möglichst genau angeglichen, allerdings ohne das Pegelverhältnis der Bassreflexkanäle zum Tieftöner zu verändern.

    An der Masse des Bedämpfungsmaterials hat sich nichts geändert (bis auf den Inhalt des IHA), der Ballen Polyesterwatte hinter dem TMT hat nun halt nur ein bisschen weniger Platz als vorher, ist aber trotzdem nicht gestopft o.Ä.


    Hier nochmal das Bild des ursprünglichen Zustands:


    Ein Bild, nachdem die Bedämpfung etwas gezielter untergebracht wurde:


    Und ein Bild, bei dem der IHA eingebaut wurde.




    Ein GIF für den direkten Vergleich:


    Verrechnet man die Messungen Zeitrichtig miteinander ergeben sich folgende Unterschiede:

    Ursprünglicher Zustand:


    Gezieltere Bedämpfung:


    Eingebauter IHA:


    Noch ein GIF für den direkten Vergleich:



    EDIT: Dass die Messung viele schmalbandige Ausreißer hat, liegt vorrangig an einer Reflektion, die nach etwa 16ms eintrifft.
    (Eine Glättung hat einen ähnlichen Effekt, wie ein Gate an dieser Stelle - auf dem GIF ist die Wirkung des Gates zu sehen.)
    Das schmalbandige gezappel ist jetzt kein Beinbruch, für einige Positionsexperimente mit diesem recht großen Gerät werde ich aber wohl ein Paar helfende Hände brauchen. In sofern geb ich mich vorerst mal damit zufrieden, dass sowohl die Bedämpfung, als auch der IHA ihren Zweck erfüllen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von wBo93 (1. Januar 2025 um 22:19)

  • Der IHA wirkt tadellos, aber leider steigt der Output im Bereich um 300Hz mit IHA deutlich an, so dass die Ausgewogenheit im Frequenzgang etwas leidet.
    Aber die Reflexkanäle liegen auf der Rückseite, oder?

    Viele Grüße,
    Oli

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